Das Mädchen mit dem Löwenherz

Titel: Das Mädchen mit dem Löwenherz

Autor: Jürgen Seidl

Verlag: cbt

Klappentext: Als die 13-jährige Anna das erst Mal ins Visier der Mächtigen gerät, weiß sie nichts von den Kämpfen, die die katholische Kirche und die Anhänger Martin Luthers zu jener Zeit miteinander ausfechten. Doch Anna ist ein hochbegabtes Waisenmädchen, das über ein absolutes Gedächtnis verfügt, was Geschriebenes angeht. Ein der Reformation zugeneigter katholischer Würdenträger erkennt ihre Begabung. Fortan setzt er sie als Junge verkleidet als Spionin in eigener Sache ein, die den Klerus belastende Dokumente unters Volk bringt. Doch es dauert nicht lange, bis die katholische Kirche ihr auf die Spur kommt und Anna sich inmitten von Intrigen und Verbrechen wiederfindet. Jetzt, so denkt sie, kann ihr nur noch einer helfen: Martin Luther!

Cover: Die Aufbereitung des Covers passt zu der Handlung, auch die im Vergleich zu anderen Jugendbüchern eher dezent gehaltene Gestaltung harmoniert mit den für historische Romane bekannten, gedeckteren Farben. Auch der Hintergrund fügt sich in das Farbliche Raster ein und weist auf den wichtigsten Bestandteil des Buches, die von Anna verfassten Briefe, hin.

Schreibstil: Wie bereits erwähnt, ist das gesamte Buch in Brief- und somit Ich-Form geschrieben. Kombiniert mit der altertümlichen Sprache in der Anna schreibt, bereitet einem der Einstieg in die Geschichte Schwierigkeiten. Die kurzen Absätze und Kapitel sind dabei ebenfalls eher hinderlich.

Die eigentliche Geschichte schreitet recht schnell voran, wirkt gehetzt. Selbst als geübte Leserin konnte ich der Handlung an vielen Stellen nicht wirklich folgen, da die eigentliche Handlung nur durch Nebensächlichkeiten voran schritt. Gerade für die so jung angesetzte Zielgruppe (12) kann dies schnell zum Hindernis werden. Zusätzlich greift Anna die Handlung an vielen Stellen schon voraus, verwirrt und nimmt der Geschichte den Wind aus den Segeln.

Zudem möchte ich erwähnen, dass das Buch seiner Bezeichnung als Thriller nicht gerecht wird. Selbst für einen gewöhnlichen Roman bleibt sie Spannung meist auf der Strecke, von den Qualitäten eines Thrillers ganz zu schweigen.

Handlung: Es ist ungewöhnlich, dass ein Autor eine weibliche, junge Protagonisten wählt um sie seine Geschichte erzählen zu lassen. Oft schwingen Vorurteile mit, dass durch eine solche Wahl das Feingefühl auf der Strecke bleibt, die Figur nur oberflächlich betrachtet wird oder die Identifikation mit dem Charakter ausbleibt. Seidel aber hat eine authentische Protagonistin erschaffen, die trotz ihrer Stärke nahbar bleibt und gerade Jüngeren einen beeindruckenden Einblick in das Leben vor 500 Jahren eröffnet.

Zwar zeigt der Autor auch einiges an Einfallsreichtum bei der Vielfältigkeit der Nebencharaktere, diesen fehlt aber leider im Vergleich zu Anna an Tiefe, da die Außenperspektive nicht vorhanden ist und sie eher sparsam beschrieben werden. So wird es beim Wiederauftreten der Charakter schwer, sich deren Hintergrund ins Gedächtnis zu rufen.

Buchstaben sind wie Sterne. Du kannst aus ihnen so viele unterschiedliche Häuser bauen, wie du willst.

Wie es nun einmal zur damaligen Zeit der Fall war, beschäftigt sich auch Anna ausführlich mit christlichen Glauben. Sie beleuchtet ihre Gesellschaft und die Rolle, die der Glauben spielt kritisch, schildert Probleme die er mit sich bringt und verdeutlicht die Ehrfurcht, die der Kirche zu Zeiten Luthers entgegen gebracht wurde. Um zu den Schlüssen zu kommen, die ihr ein unverschleierten Blick auf die Kirche ermöglicht, muss sie Hürden und Hindernisse bewältigen, die dem Leser teils vertraut, teils abwegig vorkommen.

Annas Geschichte erstreckt sich über 10 Jahre ihres Lebens, berichtet von den Abenteuern und Intrigen, in die sie gerät. Der geschichtlich korrekte Hintergrund wird durchaus passend mit der Geschichte verwoben, nur bleibt bei dem sicherlich beachtlichen Bemühen der Lesedrang öfters aus.

Fazit: Das Buch erinnert trotz der fiktiven Charaktere eher an eine interessanter verpackte Schullektüre, wogegen sicherlich auch nichts auszusetzen ist. Ich aber hatte mir anderes erwartet.

Eure Hannah

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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